Mittwoch, der 22. November 2017, 08:20 Uhr

Ich will mit meinen Bildern die Menschen erreichen. Viele interessieren sich wenig für Malerei und Grafik. Wenn Menschen mit moderner Kunst in Kontakt kommen, ist es oft eine befremdliche Begegnung mit Rhythmen und Farballegorien, mit wildem Abstraktionismus, völlig an der eigenen erlebten Welt vorbei. Da besteht eine Distanz. Die bildenden Kunst, die sich allein auf das Visualisieren beschränkt, hat es nicht leicht, einen Zugang zu sich selbst zu schaffen. Manchmal könnte man auch meinen, sie will es gar nicht. Kunst nur der Kunst willen ist absurd. Kultur ist doch keine abstrakte Sache, die für und von sich selbst existiert. Kultur ist was allen Menschen als Menschen zukommt, kann also nicht ohne diese existieren, sie ist auch keine Kapitalanlage für wenige. Wenn sie dahin mutiert ist es eine Fehlentwicklung, die die Mehrheit aus dem Genuss und Erleben ausschliesst, ist Perversion dessen, was Kunst ausmacht. Für mich eine Horrorvorstellung.

Nach Sitte hat Kunst nur zwei Grundmöglichkeiten: "Abwehr des Bösen und Feier des Guten". Hin und wieder werde ich solchem hohem Anspruch gerecht. Im Versuch mit meinen Bildern erkennbar die Erlebenswelt aufzugreifen und den Kontakt darüber herzustellen, lebt der Realismus aber nicht nur in der naturnahen, fotografischen Darstellung.

Man könnte meinen, das sind naive Landschaftsdarstellungen. Wer in einer solchen Umgebung lebt und arbeitet und keine Landschaften darstellt, muss schon blind sein. Es ist die Vielfältigkeit und der Variantenreichtum und auch die erlebte Metapher der menschlichen Existenz, ist doch unsere Umgebung geformt und bearbeitet, ein Kulturlandschaft mit massgeblichem Einfluss der Bewohner über Jahrhunderte. Die Menschenbilder zeigen diese in ihrem Umfeld und durch Gestus und Mimik deren ganz eigene Individualität und Subjektivität, in ihrer eigenen Welt, die doch im Rahmen objektiv gegeben und gestaltbar ist, also komplex in der Teilhabe am Leben und Kultur.

Wenn Malerei und Grafik doch nichts anderes ist, als ′die sinnvolle Anordnung von farbigen Linien und Flächen′ findet sie doch Ihre Faszination darin, mit diesen einfachen Mitteln etwas zu zeigen und darin dann Emotionen zu wecken, was in seiner Gesamtheit dann Möglichkeiten eröffnet, im Betrachter etwas zu bewegen. Den Menschen eine Teilhabe an meiner Kunst zu gewähren ist auch ein Grund, warum meine Bilder in erster Linie schön sind oder zumindest nicht vordergründig bewusst hässlich. Darin liegt aber auch eine besondere Herausforderung. Zuerst an mich. Will ich auch das ′Böse verdammen′ muss ich das bei diesem Anspruch allegorisch verarbeiten. Dann aber auch an den Betrachter, das zu erkennen. Kunst im Allgemeinen, und für meine Bilder nehme ich es in Anspruch, fordert neben dem Anschauen auch ein Begreifen und Sehen. Kunst ist eben mehr als Dekoration.

Über Druckkunst und Kunstdruck:

Reden bildende Künstler über Kunstdruck meine sie nicht, wie landläufig verbreitet über die in den Baumärkten und bei Diskountern erhältliche Reproduktionen bekannter Werke. Druckgrafiken sind nicht eine Anzahl von Kopien einer Zeichnung. Nicht umsonst werden solche Druckkünstler wie ein Ernst August Zimmermann aus Erfurt in diesem Mass geachtet. Jede Arbeit einer Auflage gleicht zwar der anderen, ist aber einzeln händisch aus dem Klischee modelliert und hat damit seine eigene Originalität. Die Bearbeitung der Vorlage und das Entwickeln der Gravur zu einem Kunstwerk hinterlassen, nicht zuletzt durch Druck und Reiben, unauslöschliche Spuren, die sich in den folgenden Grafiken wiederspiegeln bis weitere Abzüge unmöglich werden, weil die Platte zerstört ist. Eigentlich ist jedes der Bilder dreimal Kunst: erst die Vorlage, die Zeichnung, dann das Übertragen auf ein Trägermedium und zuletzt das Drucken auf hochwertiges Papier.

Es gibt verschiedenste Techniken der schwarzen Kunst. Während im Hochdruck (zum Beispiel Holz- und Linolschnitt) höherliegende Partien des Klischees eingefärbt werden und die Farbe tragen sind bei Tiefdrucken - meist Radierungen oder Stiche - die Verletzungen der Oberfläche, die tiefen Partien entscheidend. Diese können mit einer Nadel eingekratzt oder aber geätzt sein. Eine weitere Variante ist der Flachdruck, der auf der Abstossung von Wasser und Öl basiert. Damit ist die Fähigkeit, ein Motiv letztendlich auf das Papier zu bringen mit vielseitigem Know how in physikalischen und chemischen Vorgängen verbunden und macht diese Form der Grafik so spannend.

Ich drucke meine Werke selbst. Die Faszination mit einer solchen einfachen Konstruktion einer Radierpresse mit wenig Handwerkzeug so verschiedene und komplexe Abbildungen zu schaffen ist überwältigend. Die Wirkung einer Zeichnung durch Handarbeit noch ein bisschen besser zu modellieren, mit dem Ballen oder Finger Lichter und Schatten zu erarbeiten, durch Konsistenz der Farbe, verschiedene Techniken, eine glatte Oberfläche in ein Werk zu verwandeln, ist sehr diffiziel und spannend.